Aus dem Schneider in den Erfolg

14.04.2012

Tagblatt: MAMMERN/ZÜRICH/BANGKOK. Sunita Kunsanthia kam als 14-Jährige von Bangkok nach Mammern. Damals sprach sie kein Wort Deutsch. Heute betreibt die 31-Jährige ein eigenes Geschäft in Zürich in der Nähe des Paradeplatzes.

 

 

Anfang Mai zeigt das Schweizer Fernsehen, was aus Sunita Kunsanthia geworden ist. Die junge Schweizerin mit thailändischen Wurzeln lebte rund sechs Jahre in Mammern bei ihrer Mutter und Stiefvater Walter Ryffel. Ihre Eltern sind inzwischen nach Thailand gezogen. Deshalb kommt Sunita Kunsanthia nicht mehr nach Mammern, vermisst aber das Dorf und den Untersee. «Ich würde meine Freizeit sofort dort verbringen», sagt sie am Telefon.

Fernsehen drehte zweites Mal

Vor fünf Jahren dokumentierte das Schweizer Fernsehen schon einmal, wie sich Sunita Kunsanthia nach einer Lehre als Verkäuferin zur Unternehmerin hocharbeitete. Nun drehte das Fernsehen die Fortsetzung.

Kurze Rückblende: Mit 2000 Franken, einer winzigen Wohnung und dem Angebot, für 390 Franken einen Massanzug zu liefern, fing Kunsanthia an. Grosse Nachfrage stellte sich nach einem Zeitungsinterview ein. Es folgte grosse Aufmerksamkeit durch die Medien und noch mehr Nachfrage. Seitdem beschäftigt die Unternehmerin bis zu 50 Angestellte. Sie lernte viel dazu: «Der Preis muss stimmen, aber noch wichtiger ist die Qualität.» Inzwischen kosten die Massanzüge bei Sunita Suits zwischen 600 und 1200 Franken. «Langfristig wollen die Schweizer gute Qualität», sagt sie. Die Herstellung in Thailand habe inzwischen nicht mehr ihr Vater in der Hand. «Das mache ich mit einem jungen Team.» Rund 30 Schneider arbeiten für sie, teilweise exklusiv. «Meine Mitarbeiter verdienen sehr gut», sagt sie.

Zudem baut sie sich neue Standbeine auf wie etwa das Schneidern von Vereinsuniformen oder von Brautkleidern und Hochzeitsanzügen.

Freude in Mammern

Die Sendung will Gemeindeammann Hansjörg Lang auf keinen Fall verpassen, denn Kunsanthias Stiefvater sei ein alter Schulfreund. Das Mädchen selbst sei sehr beliebt gewesen in Mammern, nahm Musikstunden bei Sohn David Lang und besuchte den Jungschützenkurs: «Die hat noch gut geschossen.» Dass sie rasch Deutsch lernte, sieht Hansjörg Lang nicht als Verdienst der Gemeinde an: «Ich denke, da haben sich Vater und Grossmutter gekümmert, da hat sie das automatisch gelernt.»

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